Getty-Images auf den Spuren Marco Polos?

Getty Images ist eine der größten Bilddatenbanken weltweit und bietet bot über Jahrzehnte hinweg ein enormes und relativ breit gefächertes Portfolio lizensierbarer Fotografie, Grafik und Film an. Die meisten, wenn nicht sogar alle Werbeagenturen und viele freiberufliche Grafiker mit vernünftig bezahlten Aufträgen, bedienten sich dieses Pools an qualitativ hochwertiger, aber auch recht teurer Medien. In den meisten Fällen waren die lizensierten Daten aber kreativ und qualitativ von hoher Güte, so dass sich der Einkauf gelohnt hat.

 

fotografie - china kauft getty images

Dies setzte sich auch nach der Digitalisierung der Mediendienstleistungen über Jahre fort, denn eine Bilddatenbank anstelle eines Fotobuchs nach geeigneten Motiven durchforsten zu können, war natürlich ein Quantensprung in Sachen Geschwindigkeit und Ausbeute. Für mich war Getty Images hier immer der Maßstab, denn neben dem breiten Angebot und der Bildqualität, war vor allem die ausgereifte Datenbanksuche mit wirklich intelligenten Ergebnissen mit Abstand die Beste.

Das Erstarken der Kleinen

Natürlich haben diesen Markt neben den großen Agenturen, wie Corbis und Getty auch andere Unternehmer anvisiert und einen – für die Protagonisten wohl schmerzlichen – Kontrapunkt mit günstigeren Lizenzmodellen und der Öffnung hin zu semiprofessioneller und Amateurfotografie gesetzt. Allen voran Fotolia, aber auch Namen wie Strandperle, Thinkstock, iStock oder Shutterstock sind mittlerweile recht gut bekannt (und mittlerweile u. A. von Getty geschluckt worden). Der Preiskampf war allenthalben spürbar und nach und nach reagierten die großen Dinosaurier mit Preis- und Lizenzmodellanpassungen, kauften kleinere Agenturen auf, fusionierten und taten alles, um mithalten zu können. Letztlich haben aber viele den Kampf gegen die niedrigen Preise verloren. Der Siegeszug der digitalen Fotografie verbreiterte das Angebot an verfügbarer und qualitativ brauchbarer Stock-Fotografie derart, dass das Preisgefüge einfach nachgeben musste. Zwar hatten die alteingesessenen Bildagenturen lange noch den Vorteil, den Einkäufern ein gewisses Maß an Rechtssicherheit durch verfügbare Modelreleases bieten zu können. Aber mittlerweile bekommt man auch bei Fotolia diese Dokumente, so dass in vielen Fällen nur noch der Preis ein Rolle spielt.

Soviel zur Entwicklung. Was hat das jetzt mit Marco Polo zu tun?

Marco Polo war in China. Das ist Getty Images nun auch, das Unternehmen wurde neulich von der Visual China Group gekauft und mit Corbis verschmolzen. Schade. Denn nicht nur, das ich bedauere, dass Getty es nicht geschafft hat dem Markt stand zu halten, so muss ich eine für mich gefühlte Verarmung des Portfolios konstatieren. Ohne es genau zu wissen, vermute ich, dass es ganz schnell zu einer Neuausrichtung auf den asiatischen Markt kam, so dass bei meinen letzten Suchen auch entsprechend einseitige Ergebnisse in der Suche bei Getty erschienen. Das Bildmaterial war plötzlich gespickt mit Fotografien aus den 90ern und beginnenden 2000ern, tonnenweise unerträglich grinsende Daumen-hoch-Manager-Posen und unsägliche Hosenträger-Meetings in denen Blue-Collar-Models bedeutungslose Jubelgesten in richtung eines farbenfrohen Wachtumskurven-Flipchart zum Besten geben.

Kreatives Mittelalter

Offenbar ist man in China gestalterisch 10 bis 20 Jahre hinten dran (das ist in der schnelllebigen Kreativbranche das Äquivalent zum Mittelalter). Aber all das hätte man theoretisch ja noch mit einer Unternehmerisch notwendigen Ausdünnung des Portfolios durch den Verkauf von Kollektionen weiß der Geier wohin erklären können. Aber nun glaube ich, dass es eher ein Austausch war, denn spätestens ab Seite drei der Suchergebnisse, waren kaum noch Personen ohne asiatischer Herkunft zu finden. Bitte nicht falsch verstehen: ich sehe durchaus einen Bedarf an passenden Motiven für einen der am schnellsten wachsenden Märkte weltweit. Aber deswegen sind die anderen ja nicht weg! Ich denke hier liegt dann doch noch die klassische zentralistische Denkweise Chinas vor. Wer weiß, vielleicht ist das auch ausgleichende Gerechtigkeit? Immerhin haben wir den Asiaten Jahrzehntelang unsere Langnasen aufgezwungen. Jetzt kommt die Returkutsche mit den Pfannkuchengesichtern.

Fazit

Für mich bedeutet es aber, dass ich eine Alternative für den Bildeinkauf benötige. Denn sollte der oben beschriebene Trend sich fortsetzen, kann ich mir das Gesuche bei Getty bald sparen. Kleiner Tipp an die kleinen Bildagenturen (ist Fotolia eigentlich noch klein?): Schaut doch mal, wie es mit High-Res-Layoutdaten für gelistete Kunden, bzw. Vielkäufer aussieht. Die Easy-Access-Option* von Getty werde ich bestimmt vemissen. Da wäre echt Geschäft zu holen …

* Easy-Access ermöglicht das Herunterladen von hochaufgelösten Bilddaten, ohne diese erst kaufen zu müssen. Umsatzstarke Agenturen/Grafiker hatten bei Präsentationen dann natürlich ganz schicke Pappen dabei 😉

PS: Ja, das Motiv oben ist von Unsplash.com. Die find ich auch toll.

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